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Raid
Suisse – Paris 2009
Der Raid Suisse-Paris ist etwas ganz Spezielles und wenn man ihn dann
noch mit einem französischen Auto fährt, so gibt das dem ganzen
Anlass noch eine besondere Note.
Dieses Jahr sind wir mit unserem Peugeot 504 Cabrio zum dritten Mal den
Raid gefahren. Wie immer hat mich meine Tochter Stefanie als
versierte Copilotin begleitet. Zu meinen Vorbereitungen gehört
hauptsächlich ein technischer Check des Fahrzeuges durch das Team
von Autotechnik Eggimann in Sissach. Wie meistens gab es ausser
geringen Einstellungskorrekturen und etwas Nachfüllen von
Betriebsflüssigkeiten nichts zu tun. Dann sind natürlich die
Unterlagen bereit zu stellen, Kartenmaterial zu besorgen,
Ersatzbatterien für die Uhren zu prüfen, die Reglemente zu
studieren und zuletzt die kleinen Koffer zu packen. Die letzte
Wagenwäsche hat mich dieses Jahr leider ein Natel gekostet, das im
Putzeimer ertrunken ist.
Am Donnerstagvormittag dann die erste kurze Nervenprobe. Die Einfahrt ins
Areal der Muba muss innerhalb einer vorgegebenen 10 Minutenphase
erfolgen, nicht früher und nicht später, und komplett mit allen
Unterlagen inkl. Namensschild umgehängt. Hier kann der nachlässige
Teilnehmer sonst bereits erste Strafpunkte sammeln. Die
anschliessende kurze technische Kontrolle sollte eigentlich bei
unseren so zuverlässigen Peugeots kein Problem sein. Trotzdem ist
man froh, wenn auch diese Hürde geschafft ist und die Einfahrt in
die grosse Mubahalle freigegeben wird.
Jetzt erhält man die restlichen Unterlagen mit Roadbook, Raid-Plakette
und Startnummer. Der nächste Treffpunkt ist das Fahrerbriefing, wo
noch letzte Informationen und allfällige Änderungen oder Ergänzungen
zu den schriftlichen Unterlagen mitgeteilt werden. Wenn die Plakette
und die Startnummern am Auto angebracht sind, so bleibt jetzt noch
genügend Zeit für einen Rundgang durch die Halle, für die
Besichtigung der anderen Fahrzeuge und die Begrüssung von
Bekannten.
Dann geht es bereits los und die ersten Fahrzeuge fahren aus der Halle in
den Rundhof auf die Startrampe und dann los Richtung Paris.
Die Strecke wird von den Organisatoren jedes Jahr neu gewählt,
normalerweise nur Landstrassen mit relativ wenig Verkehr und durch
landschaftlich schöne Gegenden. Vor drei Jahren sind wir durchs
Gebiet der Loire gefahren und letztes Jahr durch die Vogesen und
Nordfrankreich.
Die Durchschnittsgeschwindigkeiten, die zu fahren sind, liegen je nach
Kategorie und Etappe zwischen 36 und 49 km/h und sind in der Regel
gut zu meistern. Wenn jedoch plötzlich ein Traktor die Strasse gemütlich
entlang fährt und nicht überholt werden kann, so kann auch eine
tiefe Durchschnittsgeschwindigkeit plötzlich zum Problem werden. Für
die Etappenankunft wird jeweils ein Zeitfenster von 10 bis 15
Minuten gewährt, da die Fahrt nicht zu einem Rennen werden darf.
Bei den Spezialprüfungen über jeweils rund 8 bis 16 km und bei den
Schlauchprüfungen mit maximal 100 m Länge zählen jedoch die
Zehntelsekunden. Jede Abweichung nach oben oder nach unten um 1/10
Sekunde ergibt einen Strafpunkt. Die Roadbook sind ausgezeichnet
gemacht und praktisch fehlerfrei. Allerdings ist die volle
Aufmerksamkeit des Copiloten notwendig, damit keine Abzweigung
verpasst wird. Meine Copilotin berechnet auch jeweils die
Distanzkorrektur, da der serienmässige Tageskilometer-Zähler
meines Autos für Roadbook-Angaben zu wenig genau ist.
Die diesjährige Route führt zuerst durch den Jura mit 2 Spéciales und
einer Schlauchprüfung über die Strecke der Bergrennen von St.
Ursanne – allerdings in der falschen Richtung – nach Besançon,
wo die Teilnehmer der Kategorien Veteranen (Fahrzeuge bis Baujahr
1939) und Tourisme in zwei Hotels untergebracht werden. Die
Teilnehmer in der Kategorie Sport fahren noch weiter und können
einige sportliche Zusatzprüfungen absolvieren, bevor sie dann in
Dijon ebenfalls zu einer kurzen Nachtruhe kommen.
Am Freitag fahren wir mit je 3 Spéciales und Schlauchprüfungen über
Langres nach Troyes, wo mittags das traditionelle Raid-Buffet
serviert wird. Auch dieses Jahr findet dieses Essen in einem
historischen Rahmen, im Saal des Hôtel de Ville, statt. Nach dem
Mittagessen geht es weiter über Vert-la Gravelle nach Reims, wo wir
unsere Fahrzeuge auf dem Gelände der Champagne de Castelnau
abstellen können. Dort wird uns auch ein ausgezeichnetes Abendessen
mit einer reichhaltigen Auswahl von verschiedenen Champagnern und
Weinen serviert. Die Kategorie Sport muss auch auf diesen Anlass
verzichten, da sie wieder eine Zusatzprüfung auf einem Rundkurs
absolvieren dürfen oder müssen.
Samstag ist der Schlusstag des sportlichen Teils und da alle bereits auf
mindestens zwei Tage Raid-Erfahrung zurückblicken können, ist die
Atmosphäre entsprechend locker und entspannt. Es stehen auch nur
noch 2 Spéciales und eine Schlauchprüfung bevor. Vor dem Start
wird ein Lunchpaket gefasst, da kein festes Mittagessen vorgesehen
ist. Von Reims aus fahren wir nach Laon, wo wir von den „Amis de
la Montée de Laon“ mit einer kleinen Sonderausstellung mit
einigen schönen Peugeot empfangen werden. Dieser Club veranstaltet
jährlich im Mai einen Oldtimer-Anlass in Laon mit über 500
teilnehmenden Fahrzeugen. Weiter geht es nach Versigny, wo im Park
des Schlosses die Zielankunft des Raid 2009 liegt. Zum letzten Mal
wird die Zeit gemessen und ins Bordblatt eingetragen. Am Donnerstag
sind wir etwa 220 km, am Freitag 360 km und am Samstag 250 km weit
gefahren, total also rund 830 km bis nach Paris.
Nach dem Aperitif mit viel Fachsimpeln und etwas gross Angeben – wie
gut man die Speziales gemeistert hat – fährt man ins Zentrum von
Paris zum Hotel. Dort versorgt man sein Auto in der Einstellhalle
und bezieht die Zimmer für die letzte Nacht. Ab 19.00 Uhr findet
dann der Gala-Abend mit Rangverkündigung und Preisverleihung statt.
Wir haben trotz einem Handicap von 25 Punkten (weil unser Peugeot
mit 31 Jahren noch zu den Young-Timern gehört) im 35. Rang von
total 163 klassifizierten Fahrzeugen abgeschlossen.
Die Heimreise in die Schweiz kann jeder individuell planen. Wir haben die
Rückfahrt bei schönstem Wetter zusammen mit einem Porsche 356 C
und einem Ferrari 308 GTB gemacht; zuerst allerdings am
Sonntagmorgen die obligate Fahrt über die Champs Elysée bis zum
Obelisken und dann wieder zurück.
Erstaunlich ist, dass unter den rund 170 Oldtimern nur 6 französische
Autos sind. Seit einigen Jahren fährt ein Damenteam Tschudin und Büchner
mit einem 304 Cabrio unseres Mitgliedes Paul Hatebur mit. Dann war
dieses Jahr unser Mitglied René Brunner mit einem 504 dabei und ein
weiterer Peugeot 404 Cabrio. Dann noch ein Traction Avant und ein 2
CV; aber kein einziger Renault oder Simca, auch keine DS oder ID.
Die bereits so schon grosse Begeisterung der Zuschauer am
Strassenrand oder bei den Zwischenhalten steigerte sich jeweils
nochmals gewaltig, wenn wir mit unserem Peugeot vorbeifuhren; jeder
hatte mal so einen oder der Vater oder der Copain hatte so einen…
.
Das ist meines Erachtens übrigens das Schönste am Raid; die
Begeisterung der Bevölkerung in Frankreich. Da wird in den Dörfern
lange gewartet und wenn wir dann endlich vorbeifahren wird gejubelt,
applaudiert und gestrahlt. Und keiner reklamiert wegen dem Lärm
oder Gestank, den wir nun mal produzieren.
Der Raid ist kein günstiger Anlass, da sich die Organisatoren für ihre
Arbeit gut bezahlen lassen; als Gegenwert erhält man aber auch eine
perfekte Organisation und unbeschwerten Fahrspass von Basel nach
Paris. Vier Tage lang gemütlich und zufrieden mit dem Oldtimer
durch wunderschöne Landschaften fahren, am Abend ist das
Hotelzimmer reserviert und für das Auto steht ein gut bewachter
Parkplatz zur Verfügung. Dazu die sportliche Herausforderung die
geforderten Durchschnittsgeschwindigkeiten und Zeiten einzuhalten,
die richtige Route zu finden und das Auto gut im Schuss zu halten.
Die grosse Arbeit und Verantwortung hat der Copilot, für den Fahrer
selber ist es eigentlich reines Vergnügen.
Marcel Durrer




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